Fortschreibung des Integrierten Handlungskonzepts startet
Wüstenahorn hat sich in den vergangenen Jahren sichtbar verändert. Neue Wohnungen sind entstanden, Gebäude wurden modernisiert, das neue Bürgerhaus „Haus am See“ ist zu einem wichtigen Treffpunkt im Quartier geworden. Doch wie soll sich der Stadtteil in den kommenden Jahren weiterentwickeln? Wurden die festgelegten Ziele erreicht? Diese Frage steht im Mittelpunkt der Fortschreibung des Integrierten Handlungskonzepts (IHK) für Wüstenahorn.
Mit der Fortschreibung des Konzepts wurde das Büro UmbauStadt aus Weimar beauftragt. Zum Auftakt der Bestandsanalyse führt das Büro Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern aus Einrichtungen, Vereinen und weiteren lokalen Akteuren. Im Anschluss sollen auch die Bewohnerinnen und Bewohner ihre Ideen und Wünsche einbringen können.
Wüstenahorn wurde bereits 2008 in das Städtebauförderungsprogramm „Soziale Stadt“ (seit 2020 Nachfolgeprogramm „Sozialer Zusammenhalt“) aufgenommen. Hintergrund war ein besonderer städtebaulicher und sozialer Entwicklungsbedarf im Quartier. In den Jahren 2009 und 2010 entstand das erste Integrierte Handlungskonzept, das seitdem als Grundlage für zahlreiche Maßnahmen diente.
Seither hat sich im Stadtteil viel bewegt. In der Fröbelstraße 2, 6 und 10 entstanden 68 neue Wohnungen, viele davon barrierearm oder rollstuhlgerecht. In der Karl-Türk-Straße 19 wurde eine moderne Arztpraxis und zusätzlich acht Wohnungen geschaffen. Auch bestehende Gebäude wurden aufgewertet – etwa im Lauersgraben 5 bis 19 durch Modernisierungen und neue Balkone, mehrere Häuser in der Scheuerfelder Straße, sowie das Hochhaus in der Karl-Türk-Straße 59, das darüber hinaus mit Photovoltaik, Dämmung und Wärmepumpe energetisch zukunftsfähig gemacht wurde. In der Scheuerfelder Straße entstanden ein neuer Spielplatz und eine „Dirt-Bike-BMX-Anlage“. Aber nicht nur die baulich sichtbaren Veränderungen sind ein wichtiger Schritt für den Stadtteil, durch das Quartiersmanagement und verschiedene Projekte und Aktivitäten wurde die Integration und der Zusammenhalt in der Nachbarschaft gefördert.
Mit der Fortschreibung des Konzepts soll nun Bilanz gezogen und gleichzeitig der Blick nach vorne gerichtet werden. Gemeinsam mit der Stadt Coburg, lokalen Akteuren und den Bürgerinnen und Bürgern untersucht UmbauStadt, welche Themen für Wüstenahorn künftig besonders wichtig sind.
Im Mittelpunkt stehen unter anderem Fragen rund um Wohnen, Freiräume, Mobilität, Klimaanpassung, soziale Angebote und das Zusammenleben im Quartier. Ein wichtiger Bestandteil des Prozesses ist dabei der Austausch mit den Menschen vor Ort. Ihre Erfahrungen, Wünsche und Ideen sollen in die zukünftige Entwicklung des Stadtteils einfließen.
Der Prozess ist auf rund ein Jahr angelegt. Ziel ist es, gemeinsam Maßnahmen zu entwickeln, damit Wüstenahorn auch in Zukunft ein lebenswerter und attraktiver Stadtteil bleibt.
Interview mit UmbauStadt
- UmbauStadt begleitet die Fortschreibung des Integrierten Handlungskonzepts für Wüstenahorn. Was ist ein solches Konzept eigentlich und warum ist es für einen Stadtteil wichtig?
Ein Integriertes Handlungskonzept(IHK) bündelt alle wichtigen Zukunftsthemen eines Stadtteils. Dazu gehören unter anderem Städtebau, Wohnen, Freiraum, Verkehr und Soziales. Es gibt Orientierung für die Verwaltung, Politik und Bewohnerschaft und ist zugleich die formale Grundlage, um Städtebaufördermittel von Bund und Land zu erhalten.
- Wüstenahorn hat sich seit dem ersten Handlungskonzept aus den Jahren 2009/2010 stark verändert. Welche Entwicklungen sehen Sie bereits heute im Stadtteil?
Besonders sichtbar sind die Neubauten in der Fröbelstraße, die Modernisierungen Am Lauergraben sowie das Bürgerhaus „Haus am See“ als zentraler Treffpunkt im Quartier. Dort ist Frau Marr als Quartiersmanagerin eine zentrale Ansprechpartnerin für die Nachbarschaft und sorgt mit regelmäßigen Veranstaltungen wie „Tischlein deck dich“ dafür, dass der soziale Zusammenhalt im Quartier gestärkt wird.
- Warum ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, das Konzept zu überprüfen und weiterzuentwickeln? Welche neuen Herausforderungen haben sich seitdem ergeben?
Das alte Konzept ist 15 Jahre alt und viele seiner Ziele wurden bereits erreicht oder überholt. Zugleich sind mit den Themen Klimaschutz und Klimaanpassung, energetische Sanierung und demografischer Wandel neue Herausforderungen hinzugekommen, die 2010 noch keine Rolle spielten.
- Wie gehen Sie bei der Analyse des Stadtteils vor? Welche Schritte stehen in den kommenden Monaten an?
Aktuell starten wir mit Bestandsaufnahme und Sanierungsbilanz, darauf folgt eine SWOT-Analyse als Grundlage für neue Ziele. Parallel läuft die Bürgerbeteiligung, bevor wir Leitbild, Rahmenplanung und konkrete Maßnahmen mit Kosten und Prioritäten erarbeiten. Der gesamte Prozess ist auf ca. 12 Monate angesetzt.
- Sie sprechen aktuell mit verschiedenen Akteuren aus dem Quartier. Was möchten Sie durch diese Gespräche erfahren?
Uns interessiert vor allem, wie die Menschen ihren Stadtteil im Alltag wirklich erleben: Was hat sich seit 2010 spürbar verbessert, wo hakt es noch, etwa bei Nahversorgung oder bei Treffpunkten? Diese Einschätzungen fließen direkt in unsere Analyse und Zielformulierungen ein.
- Welche Rolle spielen die Bewohnerinnen und Bewohner von Wüstenahorn bei der Fortschreibung? Wie können sie ihre Ideen und Wünsche einbringen?
Die Bewohnerschaft sind aktive Mitgestalterinnen und Mitgestalter im Prozess. Es wird eine Beteiligungsveranstaltung geben, in der Ideen und Anregungen direkt eingebracht werden können.
- Welche Themen sind aus Ihrer Erfahrung bei der Weiterentwicklung von Stadtteilen wie Wüstenahorn besonders wichtig?
Zentral ist die Balance zwischen baulicher Erneuerung und sozialem Zusammenhalt, dazu die energetische Sanierung des Bestands ohne Verlust an bezahlbarem Wohnraum. Ebenso wichtig sind barrierefreies Wohnen für eine alternde Bevölkerung und gut gestaltete öffentliche Räume als Orte der Begegnung.
- Wüstenahorn hat in den vergangenen Jahren viele sichtbare Veränderungen erlebt – von neuen Wohnungen bis zum Bürgerhaus „Haus am See“. Wie wichtig sind solche Projekte für die Identität eines Quartiers?
Solche Leuchtturmprojekte geben dem Quartier ein Gesicht und schaffen Orte, an denen Nachbarschaft und Begegnung überhaupt erst entstehen können. Sie stärken zugleich das Image des Stadtteils nach außen und die Identifikation der Menschen in ihrem Zuhause.
- Was macht einen Stadtteil aus Ihrer Sicht langfristig lebenswert?
Eine funktionierende Mischung aus bezahlbarem Wohnraum, kurzen Wegen und attraktiven Freiräumen, kombiniert mit einer stabilen sozialen Infrastruktur. Genauso entscheidend ist das Gefühl von Zugehörigkeit und die Möglichkeit zur Mitgestaltung für Jung und Alt gleichermaßen.
- Was wünschen Sie sich für den Prozess in Wüstenahorn? Wann wäre die Fortschreibung des Handlungskonzepts aus Ihrer Sicht erfolgreich?
Wir wünschen uns eine breite, ehrliche Beteiligung möglichst vieler Stimmen aus dem Quartier. Erfolgreich wäre die Fortschreibung, wenn daraus ein klarer, umsetzbarer Handlungsleitfaden entsteht, in dem sich die Menschen vor Ort wiederfinden.





